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Von der Universität zur Weltklimakonferenz

Gastbeitrag von Patrick Sakdapolrak und Harald Sterly

Geograph Patrick Sakdapolrak stellte sein aktuelles Forschungsprojekt "TransRe" vor (Foto: privat)

Elf Tage lang wurde in Marrakesch das Weltklima diskutiert und die Uni Wien war mit dabei: In einem Gastkommentar schildert Geograph Patrick Sakdapolrak seine Eindrücke, beleuchtet den Zusammenhang zwischen Migration und Klimawandel und fragt sich "'Quo Vadis, Klimagipfel?' in der Trump-Ära".

Auf der Weltklimakonferenz im November 2015 in Paris haben sich die teilnehmenden Staaten auf einen verbindlichen Klimaschutzplan geeinigt. In Marrakesch ging es in diesem Jahr dann vor allem darum, die Vereinbarungen im Detail weiter auszuarbeiten und sich auf Maßnahmen zu einigen, um diese Ziele auch zu erreichen. Die Staatsoberhäupter und Delegierten haben in Marrakesch eine Proklamation verabschiedet, in der sie sich nicht nur klar zu den Klimaschutzzielen von Paris bekennen, sondern auch die Dringlichkeit zum Handeln betonen. Dazu gehört u.a. die Verminderung von Treibhausgas-Emissionen ("mitigation") und die Anpassung an sich verändernde klimatische Bedingungen ("adaptation").  

Migration und Anpassung: ein wichtiger Beitrag aus Wien und Bonn

Unser Forschungsprojekt "TransRe" setzt genau dort an: Die beteiligten WissenschafterInnen von der Universität Wien und der Universität Bonn versuchen, den möglichen Beitrag von Migration zur Klimawandelanpassung zu erfassen. Erste Ergebnisse bestätigen, dass MigrantInnen ihrer Heimat in den meisten Fällen eng verbunden bleiben und ihre Familien in den Herkunftsorten nicht nur durch Geldüberweisungen, sondern auch durch Wissen und neue Ideen unterstützen. Diese Verbindungen zwischen Herkunfts- und Zielorten leisten also einen messbaren Beitrag, die Verwundbarkeit gegenüber Klimarisiken wie zum Beispiel Dürren oder Überschwemmungen zu verringern. Migration war zwar kein Hauptfokus der Klimakonferenz, wurde aber von vielen Organisationen und in zahlreichen Nebenveranstaltungen thematisiert. Überwiegend wurde Migration allerdings als negative Folgeerscheinung des Klimawandels gesehen – zum Beispiel in Form von Vertreibung oder Flucht. Die WissenschafterInnen aus Wien und Bonn konnten mit ihren Forschungsergebnissen einen wichtigen Beitrag leisten, auch die weniger prominenten Aspekte von Migration als Anpassungsstrategie einzubringen.

Klimakonferenz und US-Wahl

Das Wahlergebnis aus den USA erreichte die TeilnehmerInnen während des Klimagipfels in Marrakesch – und hatte einen großen Einfluss auf die Stimmung: Am Morgen nach der Wahl herrschte vielfach Ernüchterung und in zahlreichen Gesprächen wurde die Sorge um die weltweite Klimapolitik deutlich. Da es unklar ist, wie stark sich die USA weiter am Klimaschutz beteiligen werden, wird erwartet, dass die Bedeutung von sub-staatlichen Akteuren in Zukunft steigt, wie zum Beispiel von Bundesländern oder Kommunen, besonders aber der Zivilgesellschaft. Diese sollten also auch bei den nächsten Klimakonferenzen in Bonn (2017), Polen (2018) und in Lateinamerika (2019) mit einbezogen werden. Beispiele wie die der Philippinen, in denen Umwelt- und BürgerInnenorganisationen Gelder gesammelt haben, um auf eigene Kosten ihre Regierungsdelegation zu verstärken, zeigen, wie wichtig der Beitrag der Zivilgesellschaft für dieses große Zukunftsthema ist.

Zu den Autoren:

Patrick Sakdapolrak ist seit Jänner 2016 Professor für Bevölkerungsgeographie und Demographie an der Universität Wien. Seine Forschungsinteressen sind Mensch-Umwelt-Beziehungen, Migration und  Flucht sowie Gesundheit und Krankheit. Er leitet das Projekt "TransRe". Harald Sterly ist Projektkoordinator des "TransRe"-Projekts an der Universität Bonn. Seine Forschungsinteressen sind Translokalität und die Rolle von Informations- und Kommunikationstechnologien, Migration-Umwelt Nexus.

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